Sentastrasse Nr. 5 (Auszug)
aus der Anthologie "fünf", Hg. Neverendingland GmbH, München 2005
[...] Die Müdigkeit steckt mir noch immer in den Knochen, trotzdem veranlasst mich etwas mein Zimmer umzustellen. Hinter dem Wäscheschrank finde ich meinen Hamster wieder, an den ich schon viele Jahre nicht mehr gedacht habe und der bestimmt schon genau so lange an der gleichen Stelle vor sich hinschlummert. Mucki ist sein Name. Ich glaube alle Hamster heißen so. Irgendwie sieht Mucki nach all den Jahren schlecht aus. Eingefallen und fahl im Gesicht. Der Glanz aus den kleinen stecknadelkopfgroßen Augen ist erloschen. Ein letztes Mal streichele ich ihn und drücke ihn an mich: "Schön war es mit dir!" Danach setze ich ihn in seinen alten Käfig, der immer noch neben meinem Bett steht, als hätte ich irgendwie gewusst, dass ich ihn wiederfinden würde. Den Schrank rücke ich an die alte Stelle. Mir ist nicht mehr nach Zimmer umstellen.
Ich gehe in die Küche und mache mir einen Kaffee. Setze mich an den Tisch und genieße den Duft, den die schwarze Flüssigkeit verströmt. Ich atme tief ein, fülle eine Tasse mit Kaffee und lausche dem metallischen Geräusch des Laufrades, welches mir aus dem Schlafzimmer entgegenrennt. Ein Schmunzeln zuckt über mein Gesicht. Ich nehme einen Schluck. Stille. [...]